Die Komax Aktie: Ein Blick auf langfristige Chancen

Autor: Aktien & ETF Redaktion

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Kategorie: Aktienanalyse

Komax zwischen Kostensenkung und profitablem Wachstum

Bei Komax steht 2026 weniger der schnelle Umsatzsprung im Mittelpunkt als die Frage, wie belastbar die Erholung der Ertragskraft ist. Das Unternehmen meldete nach umfassenden Einsparungen wieder ein positives betriebliches Ergebnis. Dabei fielen weiterhin Restrukturierungskosten an. Die Zahlen zeigen daher erste Fortschritte, aber noch keinen abgeschlossenen Turnaround.

Die Kostensenkungen zielen offenbar nicht nur auf kurzfristige Einsparungen. Strukturen werden angepasst, Abläufe gebündelt und die Organisation soll effizienter arbeiten. Für einen Anbieter von Automatisierungslösungen ist das ein wichtiger Hebel. Ein höherer Umsatz allein reicht nicht, wenn Materialkosten, Personalaufwand und weltweite Vertriebsstrukturen die Marge auffressen. Entscheidend wird daher, ob Komax bei stabiler Nachfrage einen größeren Teil des Umsatzes in operatives Ergebnis umwandeln kann.

Die Rückkehr zu profitablem Wachstum ist ein gutes Signal, aber kein Freifahrtschein. Anleger sollten zwischen drei Effekten unterscheiden:

Besonders aussagekräftig sind deshalb nicht einzelne Quartalswerte, sondern die Entwicklung über mehrere Berichtsperioden. Bleibt das betriebliche Ergebnis auch ohne Sondereffekte positiv? Verbessert sich der operative Cashflow? Und kann Komax Investitionen in Forschung, Anlagen und Vertrieb aus dem laufenden Geschäft finanzieren? Diese Fragen führen näher an den inneren Wert der Aktie heran als eine Momentaufnahme des Kurses.

Für die langfristige Perspektive entsteht ein asymmetrisches Bild. Gelingt es, die schlankere Kostenbasis mit einer Belebung der Nachfrage zu verbinden, könnte die operative Marge überproportional steigen. Bleibt der Markt dagegen schwach, helfen Einsparungen zwar beim Überleben, ersetzen jedoch kein nachhaltiges Wachstum. Die Komax-Aktie ist deshalb vor allem eine Wette auf die Qualität der Umsetzung: Die Sanierung muss sich in stabilen Margen, höherem Cashflow und verlässlicheren Ergebnissen zeigen.

Die strategische Neuausrichtung vom April 2026

Die im April 2026 angekündigte Neuausrichtung soll Komax klarer auf profitable Geschäftsfelder und eine effizientere Umsetzung ausrichten. Im Kern geht es darum, vorhandene Automatisierungskompetenz gezielter einzusetzen, Prioritäten zu schärfen und die Organisation näher an den Anforderungen der Kunden auszurichten. Für Anleger ist weniger der Ankündigungstermin entscheidend als die Frage, ob daraus bessere Aufträge, kürzere Entscheidungswege und eine verlässlichere Kapitalrendite entstehen.

Der Schritt kommt in einer Phase, in der sich die Nachfrage der Automobilindustrie stark wandelt. Hersteller und Zulieferer investieren zwar weiter in Elektrifizierung, Software und flexible Fertigung. Gleichzeitig werden Projekte genauer geprüft, Lieferketten regionaler geplant und Investitionen teils verschoben. Ein Anbieter von Kabelverarbeitungs- und Automatisierungslösungen muss deshalb nicht nur technologisch überzeugen, sondern auch schnell lieferfähig sein und seine Systeme wirtschaftlich in unterschiedliche Produktionsumgebungen integrieren können.

Die Neuausrichtung lässt sich an drei Punkten prüfen:

Das bis 2028 formulierte Ziel von mehr als einer Milliarde Schweizer Franken Umsatz und einem EBIT von über 120 Millionen Franken liefert einen klaren Prüfrahmen. Daraus ergibt sich rechnerisch eine EBIT-Marge von mehr als 12 Prozent. Diese Zielgröße ist anspruchsvoll, weil sie neben zusätzlichem Umsatz auch eine deutlich bessere Ergebnisqualität verlangt. Anleger sollten daher auf Auftragseingänge, die Book-to-Bill-Relation, den freien Cashflow und die Margen nach Regionen achten.

Komax könnte aus einer breiteren Aufstellung wieder ein fokussierteres, besser steuerbares Industriegeschäft formen. Noch ist offen, wie schnell Kundeninvestitionen zurückkehren und ob die neue Struktur dauerhaft trägt. Der wichtigste Beleg wären mehrere Berichtsperioden mit wachsendem Auftragseingang, steigender EBIT-Marge und stabiler Liquidität.

Roger Albrecht als neuer CEO und der Wechsel im Finanzressort

Der Wechsel an der Spitze erhöht den Wert klarer Zielvorgaben. Roger Albrecht übernimmt als neuer CEO der Komax Gruppe eine Aufgabe, die über die laufende Steuerung hinausgeht: Er muss der Organisation nach der unruhigen Phase eine nachvollziehbare Richtung geben und Vertrauen bei Kunden, Mitarbeitenden sowie Kapitalmarkt stärken. Seine Ernennung wurde am 25. August 2026 bekannt gegeben.

Für die Komax-Aktie zählt dabei nicht allein der Name des neuen Vorstandschefs. Entscheidend ist, ob Albrecht strategische Prioritäten verständlich vermittelt und in messbare Entscheidungen übersetzt. Anleger sollten auf Aussagen zu Investitionen, Geschäftsbereichen, regionaler Präsenz und der Verwendung des freien Cashflows achten. Ein glaubwürdiger CEO zeigt sich weniger in großen Worten als in konstanten Zwischenzielen.

Zusätzliche Aufmerksamkeit verdient der Wechsel im Finanzressort. CFO Christian Mäder verlässt die Gruppe; diese Nachricht wurde am 13. Januar 2026 veröffentlicht. Ein solcher Übergang kann die Finanzkommunikation vorübergehend erschweren. Gerade in einer Phase mit Restrukturierungsaufwendungen, Währungseinflüssen und veränderten Strukturen müssen Berichte jedoch besonders gut vergleichbar bleiben.

Ein neuer CEO kann frische Impulse setzen und Entscheidungen beschleunigen. Der Abschied des Finanzchefs erhöht zugleich das Übergangsrisiko. Erst wenn Management und Finanzressort über mehrere Quartale verlässlich liefern, lässt sich beurteilen, ob der Führungswechsel der Aktie tatsächlich einen nachhaltigen Schub gibt.

Automatisierung und Innovation als langfristige Wachstumstreiber

Automatisierung kann für Komax zum strukturellen Wachstumstreiber werden, weil moderne Fahrzeugkabel immer komplexer werden. Mehr Steuergeräte, Hochvolt-Komponenten und Varianten erhöhen den Aufwand in der Fertigung. Manuelle Arbeit allein reicht dort oft nicht mehr aus. Präzise Crimp-, Prüf- und Verarbeitungssysteme helfen, Qualität zu sichern und Ausschuss zu begrenzen.

Der entscheidende Vorteil liegt nicht in einer einzelnen Maschine, sondern im Zusammenspiel aus Anlagen, Software, Daten und Service. Wenn Produktionsdaten laufend erfasst werden, lassen sich Fehler früher erkennen und Abläufe besser planen. Für Kunden steigt damit die Prozesssicherheit. Für Komax kann zugleich ein engerer, wiederkehrender Kontakt zum Kunden entstehen.

Das Next2OEM-Projekt mit Audi zeigt, in welche Richtung sich die Industrie bewegt. Im Mittelpunkt stehen stärker vernetzte Fertigungsprozesse zwischen Fahrzeugherstellern und Zulieferern. Für Komax ist die Beteiligung ein Beleg, dass das Unternehmen nicht nur klassische Einzelanlagen liefert, sondern auch an übergreifenden Automatisierungskonzepten mitwirken kann.

Weitere Impulse kommen aus der Elektrifizierung. Hochvoltleitungen verlangen besondere Anforderungen an Isolation, Prüfung, Rückverfolgbarkeit und Prozesssicherheit. Gleichzeitig bleiben konventionelle Bordnetze wichtig. Diese Mischung kann Komax helfen, unterschiedliche Investitionszyklen abzudecken, statt nur von einem einzelnen Technologietrend abhängig zu sein.

Die Auszeichnung mit dem productronica Innovation Award stärkt zwar die technische Sichtbarkeit, ersetzt aber keinen wirtschaftlichen Nachweis. Anleger sollten prüfen, ob Innovationen tatsächlich zu neuen Aufträgen, höheren Wiederholungsumsätzen oder besseren Kundenbindungen führen. Patente und Preise werden erst durch steigende Nachfrage und zahlungswirksame Erträge belastbar.

Die langfristige Chance der Komax-Aktie liegt somit in einer breiteren Wertschöpfung: vom einzelnen Verarbeitungsschritt hin zur vernetzten Produktionslösung. Gelingt dieser Wandel, könnte Komax weniger austauschbar werden. Scheitert die Skalierung, bleiben Forschungskosten und komplexe Projekte als Belastung bestehen.

Internationale Marktchancen und die Position in China

Komax kann mit seiner Präsenz in mehreren Fertigungsregionen unterschiedliche Investitionszyklen abfedern. Neben Europa gewinnen China, Marokko und Tunesien an Bedeutung, weil dort Kabelbäume und elektronische Baugruppen für globale Fahrzeugprogramme gefertigt werden. Für den Konzern zählt dabei nicht nur der Verkauf einzelner Anlagen. Entscheidend ist die Nähe zu Produktionsstandorten, an denen Kunden langfristig Service, Ersatzteile und Prozessunterstützung benötigen.

China bleibt der wichtigste Prüfstein. Der Markt besitzt eine große Fahrzeugproduktion und eine hohe Dynamik bei elektrischen Modellen. Zugleich ist der Wettbewerb intensiv. Lokale Anbieter können bei Preis, Lieferzeit und Kundenkontakt Vorteile haben. Komax muss deshalb zeigen, dass seine Lösungen bei Präzision, Qualitätssicherung und internationaler Kompatibilität einen ausreichenden Mehrwert bieten.

Die Beteiligung an E-Plus aus China kann diese Position stärken. Sie eröffnet potenziell einen besseren Zugang zu regionalen Kunden und Technologien. Gleichzeitig entstehen Integrationsrisiken. Anleger sollten beobachten, ob aus der Beteiligung konkrete Aufträge, gemeinsame Produkte oder neue Vertriebskanäle entstehen. Ihren Wert beweist sie erst durch messbare Beiträge zu Umsatz und Ergebnis.

Auch die weiteren Fertigungsstandorte verdienen Aufmerksamkeit:

Die internationale Aufstellung bringt zudem Wechselkursrisiken mit sich. Ein stärkerer Schweizer Franken kann ausgewiesene Umsätze und Gewinne aus dem Ausland belasten. Hinzu kommen lokale Löhne, Zölle, Transportkosten und politische Vorgaben. Für die Komax-Aktie ist deshalb wichtig, ob das Unternehmen Währungsrisiken und regionale Kostenunterschiede ausreichend ausgleichen kann.

Langfristig bietet die geografische Präsenz einen Netzwerkeffekt. Je mehr Werke eines Kunden mit Komax-Systemen arbeiten, desto wertvoller werden einheitliche Software, Schulungen und Ersatzteilstrukturen. Das kann die Kundenbindung erhöhen. Die Chance bleibt aber an eine Bedingung geknüpft: Komax muss in China und den übrigen Wachstumsmärkten nicht nur vertreten sein, sondern dort dauerhaft wirtschaftlich arbeiten.

Das Next2OEM-Projekt mit Audi als Praxisbeispiel

Das Next2OEM-Projekt mit Audi zeigt, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Fahrzeugherstellern und Zulieferern verändern kann. Im Mittelpunkt steht nicht nur eine einzelne Produktionsmaschine. Gefragt sind durchgängige Abläufe, bei denen Planung, Fertigung, Prüfung und Datenaustausch besser zusammenspielen. Für Komax entsteht dadurch die Möglichkeit, seine Lösungen früher in industrielle Entwicklungsprozesse einzubinden.

Der praktische Wert eines solchen Projekts liegt in der Übertragbarkeit. Ein erfolgreich erprobter Prozess kann als Vorlage für weitere Werke, Fahrzeugplattformen oder Zulieferstufen dienen. Das ist für Komax wichtiger als ein einmaliger Referenzauftrag. Wiederholbare Standards senken beim Kunden den Einführungsaufwand und können die Nachfrage nach kompatiblen Anlagen, Software und Dienstleistungen ausweiten.

Auch die Datenebene gewinnt an Gewicht. Wenn Produktionsschritte digital dokumentiert werden, lassen sich Fehlerquellen schneller zuordnen und Qualitätsnachweise einfacher führen. Bei Kabelsystemen ist das besonders relevant, weil kleine Abweichungen später zu Ausfällen führen können. Eine lückenlose Rückverfolgbarkeit schafft hier einen messbaren Nutzen, der über reine Automatisierung hinausgeht.

Ein Entwicklungsprojekt ist allerdings noch kein garantierter Serienumsatz. Entscheidend wird, ob aus der Kooperation Folgeaufträge, wiederholbare Module und planbare Serviceerlöse entstehen. Ebenso zählt, wie hoch der Anpassungsaufwand je Kunde ausfällt. Zu viele Sonderlösungen würden die Skalierbarkeit bremsen.

Als Praxisbeispiel macht Next2OEM einen möglichen Qualitätsunterschied sichtbar. Komax verkauft nicht nur Technik, sondern kann an einer vernetzten Produktionsarchitektur mitwirken. Gelingt die Überführung solcher Projekte in standardisierte Angebote, stärkt das die langfristige Ertragslogik der Aktie. Der nächste Beleg muss aus Auftragswerten, Folgeprojekten und belastbaren Margen kommen.

Komax-Ziele bis 2028: Mehr als eine Milliarde Franken Umsatz

Das Umsatzziel von mehr als einer Milliarde Schweizer Franken bis 2028 markiert für Komax eine klare Größenordnung. Zusammen mit einem EBIT von über 120 Millionen Franken ergibt sich eine Zielmarge von mehr als 12 Prozent. Damit geht es nicht nur um zusätzliches Geschäft, sondern um ein deutlich ertragreicheres Geschäftsmodell.

Für Anleger ist die Zielmarke vor allem als Prüfstein nützlich. Der Weg dorthin lässt sich in messbare Etappen zerlegen: Umsatzwachstum, Auftragseingang, Umwandlung von Umsatz in operatives Ergebnis und Entwicklung des freien Cashflows. Bleibt nur der Umsatz zurück, während die Marge schwach bleibt, wäre das Ziel wirtschaftlich weniger wertvoll.

Eine wichtige Kennzahl ist das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz. Liegt es über längere Zeit über eins, wächst der Auftragsbestand tendenziell. Das schafft bessere Planbarkeit. Sinkt dieser Wert dagegen unter eins, kann das Umsatzziel trotz guter Einzelquartale schwieriger erreichbar werden. Auch der Auftragsbestand selbst sollte auf seine Qualität geprüft werden: Ein hoher Wert hilft wenig, wenn Projekte verschoben werden oder geringe Margen bringen.

Das Ziel enthält zudem ein Währungsrisiko. Komax rechnet in Schweizer Franken, erzielt seine Erlöse jedoch in mehreren Ländern. Wechselkurse können den ausgewiesenen Umsatz verändern, ohne dass sich die operative Leistung im gleichen Maß bewegt. Aussagekräftig sind daher sowohl die nominalen Werte als auch die organische Entwicklung bei konstanten Wechselkursen.

Bis 2028 bleibt ausreichend Zeit für eine schrittweise Verbesserung. Überzeugender wäre ein Muster aus wachsendem Auftragseingang, steigender Marge, solider Bilanz und zunehmendem Cashflow. Dann würde aus einer ambitionierten Zielzahl ein plausibler Entwicklungspfad. Bleiben diese Belege aus, ist die Milliardenschwelle eher eine Vision als eine belastbare Grundlage für die Bewertung der Komax-Aktie.

Warum die bisherige Fünfjahresrendite zur Vorsicht mahnt

Die bisherige Fünfjahresrendite der Komax-Aktie mahnt zur Nüchternheit: Ein Investment über diesen Zeitraum lag bis zum betrachteten Zeitpunkt im Verlust. Eine genaue prozentuale Rendite ist ohne Einstandstag, Endkurs und Dividenden nicht belastbar. Die Kernaussage bleibt dennoch wichtig. Technologische Stärke und langfristige Ziele schützen nicht automatisch vor Kursverlusten.

Der Rückblick zeigt vor allem ein Bewertungsrisiko. Anleger, die zu einem hohen Kurs eingestiegen sind, benötigen nicht nur bessere Geschäftszahlen, sondern auch eine erneute Bereitschaft des Marktes, höhere Bewertungsmultiplikatoren zu zahlen. Selbst ein operativer Fortschritt kann deshalb zunächst ohne starken Kursanstieg bleiben. Börsenkurse spiegeln Erwartungen wider, nicht nur aktuelle Ergebnisse.

Bei der Analyse sollte zwischen Kursrendite und Gesamtrendite unterschieden werden. Zur Gesamtrendite gehören auch ausgeschüttete Dividenden. Außerdem können Schweizer Franken und Euro für deutsche Anleger zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Ein schwächerer Franken kann einen Teil der Kursentwicklung aus Sicht eines Euro-Anlegers aufzehren, während ein stärkerer Franken zusätzlich hilft.

Für die Zukunft ist ein Szenariovergleich sinnvoller als eine einzelne Prognose. Im positiven Fall verbessern sich Auftragseingang, Gewinn und Cashflow gleichzeitig. Im neutralen Fall stabilisiert sich das Geschäft, während der Kurs vor allem von der Bewertung abhängt. Im negativen Fall bleiben Investitionen der Kunden verhalten und die Erholung dauert länger.

Die Verlustphase macht die Komax-Aktie nicht automatisch unattraktiv. Sie zeigt aber, dass Geduld allein keine Rendite garantiert. Ein langfristiger Einstieg sollte an überprüfbare Fortschritte geknüpft werden: steigende operative Qualität, solide Bilanz und ein Kurs, der diese Chancen nicht bereits vollständig vorwegnimmt. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse.

Auftragseingang, Währungen und Umsetzung als zentrale Risiken

Der Auftragseingang ist für Komax ein Frühindikator. Er zeigt, ob Kunden neue Produktionskapazitäten planen und ob daraus später Umsatz entsteht. Ein einzelner Großauftrag kann das Bild jedoch verzerren. Aussagekräftiger sind die Entwicklung über mehrere Quartale, die regionale Verteilung und die erwarteten Margen der Projekte.

Besonders kritisch ist die zeitliche Lücke zwischen Bestellung, Auslieferung und Abnahme. Verschieben Kunden Investitionen, kann der Umsatz trotz eines zunächst ordentlichen Auftragsbestands später zurückfallen. Umgekehrt führt ein hoher Bestand nicht automatisch zu guten Ergebnissen, wenn Lieferengpässe, fehlende Komponenten oder nachträgliche Anpassungen die Umsetzung verteuern.

Ändern sich Wechselkurse zwischen Auftrag, Produktion und Zahlung, können Umsatz und Marge unter Druck geraten. Absicherungsgeschäfte können solche Effekte dämpfen, beseitigen sie aber nicht vollständig. Zudem bleibt das Risiko, dass lokale Kosten und Verkaufspreise nicht im gleichen Tempo reagieren.

Auch die Umsetzung der strategischen Ziele verdient eine eigene Prüfung. Komplexe Automatisierungsprojekte brauchen qualifizierte Fachkräfte, verlässliche Lieferketten und eine funktionierende Installation beim Kunden. Fehlen Servicetechniker oder steigen die Materialkosten, kann ein nominell attraktiver Auftrag wirtschaftlich an Wert verlieren. Entscheidend ist daher die Qualität der Ausführung, nicht bloß die Zahl der gewonnenen Projekte.

Für Anleger ergibt sich ein praktisches Kontrollraster. Bleiben Auftragseingang und Auftragsbestand stabil? Werden Projekte planmäßig abgenommen? Entwickeln sich Forderungen, Lagerbestände und Anzahlungen gesund? Steigen die Kosten schneller als der Umsatz? Solche Signale können früh zeigen, ob die operative Entwicklung aus dem Takt gerät.

Ein schwacher Auftragseingang kann die Auslastung drücken, Währungseffekte können die ausgewiesene Marge verschlechtern, und eine langsame Projektabwicklung kann den Mittelzufluss verzögern. Für die Komax-Aktie zählt deshalb ein Dreiklang aus Nachfrage, sauberer Ausführung und finanzieller Widerstandskraft.

Welche Kennzahlen Anleger künftig prüfen sollten

Für die Komax-Aktie zählt künftig nicht eine einzelne Kennzahl, sondern das Zusammenspiel aus Wachstum, Kapitalbindung und Ertragsqualität. Anleger sollten die Werte im Geschäftsbericht mit den Unternehmenszielen abgleichen und auf Veränderungen zum Vorjahr achten. So wird sichtbar, ob die Verbesserung aus dem laufenden Geschäft kommt oder vor allem durch Sonderfaktoren entsteht.

Besonders nützlich ist die Cash-Conversion. Sie setzt den operativen Cashflow ins Verhältnis zum EBITDA oder zum EBIT. Eine dauerhaft niedrige Quote kann bedeuten, dass Kunden spät zahlen, Projekte viel Vorfinanzierung benötigen oder Lagerbestände zu hoch sind. Für einen Maschinen- und Automatisierungsanbieter ist dieser Blick wichtig, weil Auftragserfolg und Zahlungseingang zeitlich auseinanderfallen können.

Auch die Qualität des Umsatzes sollte geprüft werden. Wiederkehrende Erlöse aus Service, Ersatzteilen, Software oder Wartung sind meist planbarer als einmalige Anlagenverkäufe. Eine steigende Servicequote würde die Abhängigkeit vom schwankenden Neumaschinengeschäft verringern. Im Geschäftsbericht sollten Anleger daher auf Segmentangaben, regionale Beiträge und die Entwicklung der Bruttomarge achten.

Für die Bewertung der Aktie eignen sich mehrere Verfahren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist in einer Erholungsphase nur eingeschränkt aussagekräftig, weil ein niedriger Gewinn das Verhältnis künstlich erhöht. Ergänzend bieten sich das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBIT oder EBITDA sowie der freie Cashflow an. Entscheidend bleibt der Vergleich mit den eigenen historischen Bandbreiten und mit ähnlichen Industrieunternehmen.

Ein kompakter Prüfplan hilft bei jedem neuen Bericht:

Wer diese Größen gemeinsam betrachtet, erhält ein robusteres Bild als durch den Aktienkurs allein. Für die langfristige Beurteilung der Komax-Aktie sind vor allem steigende Cash-Conversion, eine tragfähige Bilanz und planbare Erlöse entscheidend. Erst wenn diese Kennzahlen über mehrere Berichte hinweg zusammenpassen, wird aus einer Erholung ein belastbarer Investmentfall.

Fazit: Chancen mit klaren Bedingungen abwägen

Die Komax-Aktie bietet langfristig Chancen, ist aber kein Selbstläufer. Der entscheidende Punkt ist nicht die Aussicht allein, sondern die Beweisführung: Aus den angekündigten Maßnahmen müssen dauerhaft bessere Ergebnisse entstehen. Anleger sollten deshalb zwischen einer möglichen Erholung und einem bereits bestätigten Wachstumspfad unterscheiden.

Für eine positive Neubewertung sprechen drei Bedingungen: Die Nachfrage muss sich verbreitern, die operative Qualität muss stabil bleiben und das Management muss seine Ziele nachvollziehbar mit Kennzahlen unterlegen. Ebenso wichtig ist, dass die Bilanz ausreichend Spielraum für Forschung, Kundenprojekte und schwierige Marktphasen lässt.

Eine Entscheidung sollte zur eigenen Risikotoleranz und zum Anlagehorizont passen. Wer investiert, braucht Geduld für einen industriellen Umbau und sollte die Position nicht allein mit früheren Kursständen begründen. Ein gestaffelter Einstieg kann das Timing-Risiko senken, ersetzt aber keine Prüfung der Geschäftszahlen.

Unterm Strich ist Komax ein chancenreicher, zugleich anspruchsvoller Turnaround-Fall. Die Kombination aus Automatisierung, Elektrifizierung und globaler Kundenbasis kann den langfristigen Wert erhöhen. Ob daraus attraktive Renditen entstehen, hängt jedoch an überprüfbaren Fortschritten bei Umsatzqualität, Cashflow und Kapitalrendite.

Stand: 4. Oktober 2026. Quellen: Komax Group, Unternehmens- und Finanzmitteilungen vom 13. und 20. Januar, 27. Januar, 10. März, 1. April, 13. August und 25. August 2026; EQS Group; finanzen.at, Bericht vom 25. September 2026; SIX Swiss Exchange. Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung.